Kleinst-Kunst feiert fünften Geburtstag
„Einfach nur gerührt!“. Initiatoren des Kunstautomat Hersbruck schauen in das Kunstfenster der Sparkasse am Oberen Markt in Hersbruck auf die Ergebnisse von 5 Jahren ehrenamtlicher Arbeit im Bereich „Kleinstkunst“. In zwei edlen Setzkästen, angefertigt von Buchbindemeisterin Christine Krammer, tummeln sich weit über 100 künstlerische Arbeiten im Miniaturformat, jede so klein, dass sie in eine Zigarettenschachtel passt, die wiederum im Kunstomat präsentiert werden kann. Seine rauchige Vergangenheit sieht man dem von Tabak Biegel gespendeten Kasten an der Wand des Bürgerbüros nicht mehr an, die Oberfläche ist sorgfältig im Steampunk-Design gestaltet. „Trotz der schönen Optik bemerken manche Menschen den Kunst-Automaten erst, wenn wir ihn öffnen und neu füllen,“ beobachtet das Team. Um so größer die Freude, die kleinen Werke jetzt so sichtbar, mitten im städtischen Geschehen, präsentieren zu können. Die umfassen Malerei, Keramik, Fotografie, ausgefallene Handarbeiten, Objekte aus ausgedienten Skateboards, Handdrucke und sogar eine Anleitung zur Street-Art- und sind somit so unterschiedlich wie ihre Schöpfer. Diesen in der Zeit der Pandemie zumindest eine buchstäblich „kleine“ Chance zu geben, sichtbar zu werden, war die Grundidee des Kunstomat, als vor genau 5 Jahren im Juni 2021 Federica Burzi, Moritz Pflaum, Karin Plank-Hauter und Ute Plank unter großer Beteiligung der Bevölkerung und damals mit gebührendem Abstand zueinander die erste Staffel feierten. Seitdem ist die Riege der Kunstschaffenden weit über die Region hinaus gewachsen, die kleinen Werke wurden schon aus Bonn, Berlin, Wuppertal, Halle an der Saale und Hirschau nach Hersbruck gesandt. Der lebhafte Instagram-Kanal kunstomat.heb sorgt für rege Beteiligung und stets frischen Nachschub in den Schächten- neue Kunst ist stets willkommen! Derzeit ist ein farbenfroher Button der Künstlerin Christine Nikol zu haben, von der das Hirtenmuseum eine großformatige Arbeit angekauft hat. So verschränken sich Kunstformen und -Ereignisse. Von jeder Werkreihe hat das ehrenamtlich arbeitende Team jeweils ein Schächtelchen ins „Archiv“ gelegt, das nun den Passanten stolz präsentiert wird. „Auch wenn es keine großen Summen sind, zahlen wir unseren Kunstschaffenden mehr aus als andere Kunstautomaten in Deutschland,“ berichtet Karin Plank-Hauter, die die Kasse führt. Im „Sozialschacht“ für kleine Initiativen und in prekären Verhältnissen lebende Künstler werden sogar die gesamten fünf Euro ausgezahlt, die Käufer in Münzen in den Automat werfen, um ein Werk zu ziehen. Die Kunden schätzen den Kunstomat als rund um die Uhr zugängliche Quelle für Mitbringsel oder eigene Mini-Kunst-Sammlungen. Und diese Quelle versiegt nicht, auch wenn nun bis 15.Juli eine Werkschau im Kunstfenster zu sehen ist. (Ute Scharrer)
Veröffentlicht in der Hersbrucker Zeitung am 30.06.2026